Ferdinand Redtenbacher

 

Ferdinand Jacob Redtenbacher (* 25. Juli 1809 in Steyr; † 16. April 1863 in Karlsruhe) war von 1841 bis zu seinem Tod Professor für Maschinenbau an der Technischen Hochschule Karlsruhe und Begründer des wissenschaftlichen Maschinenbaus.

Maschinenbau

Redtenbacher, Sohn eines Eisenhändlers aus Steyr, erhielt eine kaufmännische Ausbildung.
Nach einem kurzen Intermezzo als Technischer Zeichner in der Baudirektion Linz besuchte er von 1825 bis 1829 das Polytechnikum in Wien.
Dort verblieb er bis 1834 als Assistent von Johann Arzberger. 1835 erfolgte seine Berufung an die Höhere Industrieschule in Zürich als Professor für Mathematik und Geometrie.
1840 wurde er als Nachfolger von Professor Wilhelm Ludwig Volz an die Großherzogliche Badische Polytechnische Schule in Karlsruhe berufen.
Redtenbacher verknüpfte sein Engagement mit der Bedingung der Reorganisation der zugehörigen Höheren Gewerbeschule.
So wurde sie in zwei Fachschulen geteilt: eine chemisch-technische sowie eine mechanisch-technische Schule, deren Vorstand Redtenbacher wurde.
Im Jahr 1841 wurde er schließlich Professor für Mechanik und Maschinenlehre am Polytechnikum Karlsruhe,
wo er durch seine anschaulichen und lebendigen Vorlesungen einen ausgezeichneten Ruf unter den Studenten erreichte.
Dies führte zu immer mehr Studierenden in der Maschinenbauschule in Karlsruhe, wobei im Jahr 1860 mit 359 ein vorläufiger Rekord erreicht wurde.
Redtenbacher führte während seiner Vorlesungen diejenigen Lehrgebiete ein, die man später als „Theoretische Maschinenlehre“ bezeichnet hat.
Er behandelte aber auch Gebiete wie Spinnerei und Weberei. Somit umfasste sein Vorlesungsinhalt den gesamten damals bekannten Maschinenbau.
Im Jahr 1857 wurde Redtenbacher Direktor der gesamten Polytechnischen Schule und hiernach jährlich wiedergewählt.
Er bekleidete gleichzeitig die einzige Professur der mechanisch-technischen Schule.
Im Jahr 1859 wurde diese in Maschinenbauschule umbenannt und auf dem ehemaligen Reitplatz der Dragonerkaserne ein von Redtenbacher initiierter und konzipierter Neubau eröffnet.
Nach 1860 sank die Schülerzahl wieder, was mit einer Magenkrankheit Redtenbachers und seiner damit verbundenen Gereiztheit und Differenzen mit seinen Professorenkollegen erklärt werden kann.
Seine Vortragskunst war einem zeitgenössischen Bericht zufolge seit 1859 nicht mehr die alte.
An Ostern 1862 ließ er sich wegen seiner Erkrankung bis zum Ende des Studienjahres beurlauben und trat einen Kuraufenthalt an,
der jedoch nicht die gewünschte Verbesserung erbrachte – sein Zustand hatte sich bis Herbst 1862 sogar noch weiter verschlimmert.
Ob seines Gesundheitszustandes musste Redtenbacher seine Vorlesungen erst reduzieren, Anfang Dezember stellte er seine Veranstaltungen ganz ein,
wobei eine Fortführung nach Neujahr 1863 vorgesehen war, jedoch nicht verwirklicht werden konnte. Die Schüler Redtenbachers, deren Stoff vollständig ausfiel,
richteten eine Petition an die Lehrerkonferenz. Daraufhin sah sich Redtenbacher gezwungen, das Ministerium um Entbindung seiner Lehrverpflichtungen und Direktionsgeschäften zu bitten,
worauf mit Erlass vom 16. Januar 1863 Professor Wilhelm Schell den theoretischen Teil und ein Assistent den praktischen Teil der Lehre übernahmen.
Redtenbacher starb schließlich am 16. April 1863 in Karlsruhe an seiner Magenkrankheit. Nach seinem Tod war es nicht leicht,
einen würdigen Nachfolger für ihn zu finden. Schließlich wurde Moritz August Seubert zum Direktor der Polytechnischen Schule ernannt.
Redtenbacher war katholisch und hatte einen Sohn, den Architekten und Architekturhistoriker Rudolf Redtenbacher.