J. F. Benzenberg

Die Baupreise von Düsseldorf verglichen mit denen in Coblenz, Berlin und Paris

Johann Friedrich Benzenberg (* 5. Mai 1777 in Schöller bei Vohwinkel, heute zu Wuppertal; † 8. Juni 1846 in Düsseldorf-Bilk) war ein deutscher Physiker, Geodät und Publizist.

Benzenberg, Sohn des Schöllerer Dorfpfarrers Heinrich Benzenberg (1744–1809), studierte 1795 bis 1797 in Marburg Theologie,
von September 1797 bis Ostern 1799 in Göttingen Astronomie bei Georg Christoph Lichtenberg und Mathematik bei Abraham Gotthelf Kästner.
Bereits als Student wies er mit Heinrich Wilhelm Brandes den kosmischen Ursprung der Sternschnuppen nach. Er promovierte im Jahr 1800 in Duisburg.
Maximilian IV., Kurfürst von Bayern, ernannte ihn 1805 zum Professor für Physik und Astronomie am Lyzeum in Düsseldorf (heute Maxhaus).
Auch wurde ihm die Leitung der Landvermessung übertragen; von 1805 bis 1810 führte er die Landesvermessung des damaligen Herzogtums bzw. Großherzogtums Berg durch.
1807 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt. Am 4. Oktober 1807 heiratete er in
Düsseldorf Johanna Charlotte Platzhoff (1789–1809), die Tochter des Elberfelder Seidenfabrikanten Friedrich Adolf Platzhoff (1764–1802).
Benzenberg gründete eine eigene Schule für Landvermesser, für die er auch das grundlegende Werk Handbuch der angewandten Geometrie (3 Bde., Düsseldorf 1815) verfasste.
Weiter entwarf er eine Landmesser-Ordnung. Benzenberg setzte sich intensiv mit dem Aufbau eines Katasters auseinander; von ihm stammt die berühmte Aussage:
„Beim Cataster ist die Hauptsache, daß es fertig werde; dann zweitens, daß es genau werde.“ (Über das Cataster, 1818) Auch beschäftigte er sich mit Baupreisen,
kaufte sich in der sich mit der Erschließung der Carlstadt in 1808 ein Haus in der Breite Straße, verkaufte dieses nach Ausbauten mit einem Türmchen
für seine astronomischen Instrumente, und kaufte in 1826 ein Haus auf der Hohe Straße in Düsseldorf.
Infolge der Regierungsveränderung im Großherzogtum Berg ging er 1810 in die Schweiz, deren demokratische Regierungsform er zu schätzen lernte und als Vorbild empfahl.
Nach dem Sturz Napoleons wandte er sich nach Paris, ging aber später nach Deutschland zurück.
Mit politischen Schriften über den Fürsten Hardenberg und König Friedrich Wilhelm III. machte er sich bei den Preußen unbeliebt.
In seiner 1815 in Paris gedruckten Schrift Wünsche und Hoffnungen eines Rheinländers sprach er sich für den Konstitutionalismus aus:
„Der Mensch will eine rechtliche Verfassung, nicht allein ihres Werthes wegen, sondern wegen seiner Würde.“
1843, kurz vor seinem Tod, errichtete er in Düsseldorf-Bilk eine private Sternwarte, die er der Stadt vermachte.
Zuvor hatte er Ferdinand Orbans Sternwarte im Düsseldorfer Regierungsgebäude an der Mühlenstraße genutzt.
Bei seinem Tode vermachte er der Stadt Düsseldorf auch eine Summe von 5000 Talern, deren Zinsen für die Besoldung eines Astronomen an seiner
Sternwarte verwendet werden sollten. An Benzenbergs Sternwarte arbeitete zunächst Johann Friedrich Julius Schmidt, 1845/1846 Assistent Benzenbergs,
ab 1847 Franz Friedrich Ernst Brünnow, ab 1851 Karl Theodor Robert Luther.
In der Physik machte Benzenberg sich besonders durch seine Fallversuche vom Turm der Hamburger Michaelis-Kirche einen Namen.
Das Experiment aus dem Jahr 1802 diente dem Nachweis der Erdrotation, die Vincenzo Viviani schon 1661 mit dem später Foucaultsches Pendel genannten Versuch zeigte.
Benzenberg bestieg den Turm des „Michel“ und ließ in dessen Innerem aus 76,30 Metern Höhe Bleikugeln zu Boden fallen.
Während des freien Falls der Kugeln, die ihre Bahngeschwindigkeit um die Erde beibehielten, trafen sie nicht genau im Lot auf der Erde auf,
sondern im Mittel leicht nach Osten versetzt. Benzenberg stellte eine mittlere Abweichung um neun Millimeter vom Lotpunkt fest.
Einen ähnlichen Versuch unternahm er 1803 in dem vorübergehend stillgelegten Schacht Zur alten Roßkunst der Zeche Trappe mit einer Fallhöhe von 42 Lachtern (~ 84 Meter).
Der Versuch in dem Schacht hatte den Vorteil, dass Benzenberg dort den störenden Luftzug abstellen konnte.
Die Ergebnisse wurden von Heinrich Wilhelm Olbers und Carl Friedrich Gauß diskutiert. Gauß berechnete die theoretisch zu erwartende Ablenkung auf 8,7 Millimeter.
Benzenbergs Fallversuche am „Hamburger Michel“ zum Nachweis der Erddrehung waren also erfolgreich.
Während seines kurzen Aufenthalts in Hamburg versuchte Benzenberg auch, die Höhe von Sternschnuppen in der Erdatmosphäre durch gleichzeitige
Beobachtungen an verschiedenen Orten zu bestimmen, und kam auf 90 bis 110 km.
Johann Friedrich Benzenberg starb am 8. Juni 1846 in Düsseldorf-Bilk. Sein Grab befindet sich auf dem alten Golzheimer Friedhof in Düsseldorf-Golzheim.
In Düsseldorf wurde die Benzenberg-Realschule nach ihm benannt. In mehreren Gemeinden wurden Straßen nach ihm benannt.